Innsbrucker*innen

Adressbücher aus dem 19. und 20. Jahrhundert

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Chronik und Statistik
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sichtige Schätzung möglich. Der Ort dürfte keine 1000 Seelen
der Bürger entgegenzunehmen. Als Mitte August 1363 de
gezählt haben.
erzog zu Hall beinahe einer Adelsrevolte zum Opfer ge¬
In einer Urkunde von 1187 nennt Herzog Berthold VI. die
allen wäre, trugen die eiligst mit Waffen zu Hilfe eilenden
Bewohner des neuen Marktes, die sein Vater angesiedelt
Innsbrucker wesentlich zu seiner Befreiung bei. Mitte Okto
habe, ausdrücklich Handelsleute = negociatores. Zweifellos
er kam Rudolf IV. mit einem ansehnlichen Gefolge in die
waren also einmal jene Berufe, die sich auf den Durchzug
tadt, um den Bürgern „als ein billiger Erkenner empfange¬
der Kaufleute, das Umladen der Waren und die Beherber¬
nen Gutes“ seinen Dank abzustatten.
In der Folgezeit versuchten die Bayern mehrmals, Tirol
gung bezogen (wie Aufleger, Fuhrknechte, Schmiede, Wirte
isw.) gut vertreten. Dann natürlich alle Berufe, die für das
nit Waffengewalt in ihre Hand zu bringen. Mitte Dezember
ägliche Leben nötig waren, wie Schuster, Schneider, Zim
1363 brachen bayrische Truppen wahrscheinlich
über
nerleute usw. Über die Art und den Umfang des Handeln
Scharnitz in das Inntal ein und verwüsteten alle erreichbarer
inden sich einige wertvolle Nachrichten in den Aufzeichnur
Siedlungen. Nur die Städte Innsbruck und Hall leisteten er
gen des Bozner Notars jacob Haas aus dem zweiten Halb
folgreichen Widerstand und konnten nicht eingenommen
ahr 1237. Diesen zufolge herrschte bereits ein reger Hande
werden, bis die harte Winterkälte die Belagerer zum Abzug
zwang. Auch im Jahre 1368 fielen sie noch einmal ein und
mit Bozner Wein.
Das Stadtwappen
drangen sogar bis über den Brenner vor. Die Haltung de
btes Konrad von Wilten, der zu jener Zeit von den Inns#
Das älteste Stadtsiegel, von dem nur ein Stück bekann
bruckern in der Sill ertränkt wurde, ist nicht völlig durch
ist, hängt mit einer grün-violetten Schnur an einer Perga
sichtig. Herzog Leopold III. deckte nämlich diese Untat und
menturkunde des Wiltener Stiftarchivs von 1267 mit de
rklärte, daß der Abt gegen ihn und seine Lande „gräßlic
Abt Witmar dem Ludwig Füllsack Güter übergibt. Das Siege
ind schwerlich wider seine Treue und Ehre getan“ habe. E
bild zeigt die Innbrücke — die damit erstmals also auch al
dürfte also wohl bayernfreundlich gewesen sein. Welche
Stadtwappen erscheint — in der Draufsicht mit drei beider
militärischen Beitrag die Innsbrucker für den Kampf Herzog
Das Wasse
seits zugespitzten Pfeilern (= Steinkästen).
Leopolds mit den Eidgenossen leisteten, bei dem er in de
erscheint ein
ist durch Wellenlinien angedeutet. Schon 1282
Schlacht bei Sempach im juli 1386 mit vielen Rittern be
zweites Siegel, bei dem Wellen fehlen und die Steinkäste
kannter Südtiroler Geschlechter
das Leben verlor, konnte
nur mehr an einer Seite zugespitzt sind (nämlich an der
bisher nicht festgestellt werden
on der der Inn kommt, und sich das Wasser an der Spitze
eilt, also der Westseite). Der Originalstempel ist noch in
Residenzstadt
Landesmuseum Ferdinandeum erhalten
Seit dem 14. Jahrhundert zeigt das Siegel nur mehr zwei
Im 15. Jahrhundert erfährt Innsbruck einen mächtiger
Steinkästen. Es muß jedoch besonders hervorgehoben wer
Aufschwung. Dank seiner günstigen geographischen Lag
len, daß sich in der Richtung, in der die Innbrücke dargestell
und des stets zunehmenden Brennerverkehrs, der nicht zu¬
wurde, ein wesentlicher Wandel vollzogen hat: Während
etzt mit dem aufkommenden Bergsegen zusammenhängt,
nämlich das Stadtwappen sowohl am Stadtsiegel von 126
überflügelt es die alte Landeshauptstadt Meran, übernimmt
wie auch auf dem von 1282 die Innbrücke senkrecht verlau
deren Rang und wird zur Residenzstadt der ober- und vor
end, also in der Weise zeigt, wie sie jemand sah, der übe
derösterreichischen Lande. Herzog Friedrich mit der leeren
die vor ihm liegende Brücke gehen wollte, tritt im 14. Jahr
asche (gest. 1439) schlägt hier bald nach seiner Auseinan
undert — nachweisbar seit 1325 — anstelle des senkrechten
ersetzung mit seinem Bruder Erzherzog Ernst dem Eisernen
er waagrechte Brückenverlauf. Aus der realistischen, heute
und der Festigung seiner Macht im ganzen Lande sein
noch in der Kartographie verwendeten Brückendarstellung
tändiges Hoflager auf. Er bewohnt den sogenannten Neu
wurde so ein heraldisch-abstraktes Brücken-Symbol
hof — zum Unterschied gegen die alte Burg an der Inn
rücke —, der aus zwei am Stadtplatz gelegenen Häuser
Gemeindeordnung im Mittelalter
erbaut wurde. Es ist das Haus mit dem Goldenen Dachl, da
rstmals im jahre 1313 gab es einen Stadtrat, einen vor
der Herzog der Sage nach zum Hohn für seine Spötter er
den Bürgern gewählten Bürgermeister erst seit 1370. Vorher
ichtet haben soll. In Wirklichkeit aber wurde dieser mit
var das Oberhaupt der Stadt ein vom Landesfürsten be¬
vergoldeten Kupferschindeln gedeckte, spätgotische Prunk
tellter Richter. Solche sind bereits am Ende des 13. Jahr¬
erker in den Jahren 1494/96 aus Anlaß der zweiten Ver
underts nachweisbar. Im Jahre 1263 wird ein Zöllner zu
ehelichung Kaiser Maximilians I. mit Maria Bianca Sforza
von Mailand erbaut. Die Reliefs des Erkers zeigen daher
nnsbruck erwähnt und alsbald ein großer und ein kleine
auch Portraits und Wappen Maximilians und seiner beiden
Zoll
Das 14. Jahrhundert brachte den weiteren Ausbau der
Frauen. Die Ausführung besorgte der Hofbaumeister Nikolaus
Stadt, besonders im Gebiete der Neustadt. Gleich außerhalb
Türing
des aus der Altstadt führenden Vorstadttores wurde als
Eine Folge davon, daß sich der Landesfürst für dauernd
Altersheim wie auch zur Aufnahme kranker Pilgrime ein
in Innsbruck niederließ, war ein Anwachsen der Bevölke
lem Heiligen Geist geweihtes Spital errichtet. Im Jahre 130
rung. Hofleute und Regierungsbeamte zogen zu und der
ittet Herzog Heinrich die Geistlichkeit seines Gebietes, den
Landadel hielt sich auch häufiger in der Residenz auf. Am
Boten des Heiliggeistspitales, das noch wenig dotiert sei
Ausgange des Mittelalters dürfte Innsbruck etwa 3000 Ein¬
liebevoll aufzunehmen und mit Almosen zu bedenken. Dieses
wohner gezählt haben. Zweifellos wurden auch manch
Spital — dessen in dieser Form 1700—1701 erbaute Kirche i
Häuser ausgebaut und vergrößert, wobei im Bereich des
ler Maria-Theresien-Straße heute noch viel besucht wird
Stadtplatzes, d. i. die Herzog-Friedrich-Straße, die Häuser
versah seinen Dienst bis zur Eröffnung des neuen Kranken
sogar in die Straße hinein vorgebaut worden sind. Um da¬
durch aber die ursprüngliche Verkehrsfläche, die zur Auf
lauses im jahre 1888.
Seit 1358 besteht das alte Rathaus Herzog-Friedrich¬
stellung von Verkaufsständen nötig war, nicht zu verklei
Straße 21. Gassennamen werden erstmals genannt, so die
nern, wurde das Erdgeschoß dieser Vorbauten offen ausge
eyerergasse, welche ihren Namen von einem dort befind¬
wölbt, wodurch im 15. Jahrhundert die Innsbrucker Lauben
lichen Keller des Klosters Benediktbeuren (in der Nähe des
ntstanden sind.
Kochelsees) herleitet und der heutigen Schlossergasse ent¬
m Jahre 1401 weilt König Ruprecht von der Pfalz in
spricht, oder die Rumergasse, die jetzige Hofgasse, und die
nnsbruck. Am 10. Juli 1415 trifft Herzog Ernst der Eisern
Kirchgasse, die zur Pfarrkirche führ
in, um für seinen geächteten Bruder Herzog Friedrich die
Im Jahre 1333 suchte ein verheerender Brand den Stadt¬
Regierung des Landes zu übernehmen. Da er alsbald dit
teil am linken Innufer heim, 1340 soll ein in Wilten ausge
Herrschaft über Tirol ganz an sich reißen wollte, kam es zu
rochenes Feuer auf die Stadt übergegriffen und sogar die
einem Bruderzwist, den aber Herzog Friedrich dank der
St.-Jakobs-Kirche zerstört haben. Schon in der ersten Hälfte
Anhänglichkeit der Tiroler für sich entschied. Nach dessel
des Jahres 1342 brach ein neues Großfeuer aus, das auch die
Ableben (1439) kann sein unter Vormundschaft stehende
der
Holzteile der Wehrgänge zerstörte. Herzog Ludwig
Sohn Sigmund — den man den Münzreichen nannte — ers
Brandenburger, der zweite Gemahl der Herzogin Margarethe
im August 1446 die Herrschaft des Landes übernehmen. Ir
die Maultasch genannt —, gewährte der Stadt eine neun¬
der Zeit des damaligen Vormundschaftsstreites zwischen der
ährige Steuerbefreiung zur Behebung der Brandschäden.
Tiroler Landständen und dem wortbrüchigen Vormune
Nach diesen Verlusten an Wohnungen, Einrichtungsgegen¬
Kaiser Friedrich III., wurde auch der Innsbrucker Stadtturn
ständen und Hausrat wurde die Bevölkerung im Jahre 1348
als militantes Zeichen bürgerlicher Selbstbehauptung um
on der einen Großteil Mitteleuropas durcheilenden Beulen.
Bereits 1452 wird er in einen langwieriger
1442/50 erbaut
Bischof von Brixen, Kardinal Nikolaus von
pest heimgesucht. Welche Verluste die Stadt dadurch erlitt
Streit mit dem
Im Verlauf der Auseinandersetzung nimmt
st leider unbekannt
Cusa, verwickel
der Herzog den Bischof sogar gefangen. Herzog Sigmund
Nachdem Herzogin Margarethe am 26. sänner 1363 ihr Land
äßt sich in Innsbruck nieder und verleiht der Stadt 146
den Herzogen von Österreich übergeben hatte, kam Herzog
Rudolf IV. am 10. Februar nach Innsbruck, um die Huldigung
einen Wochenmarkt. Der größte Teil der Innsbrucker
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